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"Der Neue Tag" vom 28.05.2004 "Der weiße König aus der Oberpfalz"
28.05.2004  |  Netzcode: 10562560
Der weiße König aus der Oberpfalz
Besuch beim Spargelbauern: Probleme mit dem rauen Klima
Der Sonnenaufgang hinter dem Fischerberg kündigt sich mit roten Streifen am Horizont an. Der Himmel verspricht schon jetzt kaum Schatten. Feiner Nebel hängt über den weiten Naabauen bei Neubau vor den Toren Weidens. Kurz vor sechs Uhr früh sind nur die Vögel wach - und die Spargelstecher.

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Spargelernte ist Knochenarbeit: Wer schlechte Knie hat, braucht damit erst gar nicht anzufangen. (Bild: Gerhard Götz)
Sie ernten in den kommenden zwei Stunden in mühsamer Handarbeit den "weißen König", eine beliebte und vor allem gesunde Speise. Spargel in der Oberpfalz, das hat es nicht immer gegeben.

Mit schweren Schritten messen die Frauen und Männer die wadenhohen, akkurat aufgehäuften Erdwälle, in denen der Spargel wächst, ab. Die Fachleute unter den Spargelstechern erahnen bereits die Spitze, noch bevor sie die letzten Millimeter Erde durchbricht.

Sie beugen sich tief zu jedem Riss, zu jeder Erhebung im plattgestrichenen Sand. In Gummihandschuhen, mit Zeige- und Mittelfinger durchwühlen sie die Erde um den erhofften weißen Spross herum. Die eine Hand schaufelt eine Höhle aus, die andere schützt die kostbare Spitze. Ein rascher Stich. Die Spargelstange wandert in den Korb. Das Loch wird zugeschoben und schon streift der Blick die nächsten Zentimeter ab.

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Helga Brunner: 'In der Oberpfalz fehlt guter Boden für die Spargelzucht'. (Bild: Federl)
Helga und Reinhard Brunner aus Neubau bewirtschaften seit 13 Jahren ihren Spargelhof. "Wir haben damit angefangen, um uns noch ein zusätzliches Standbein in der Landwirtschaft zu sichern." Auf ihrem Hof betreiben sie außerdem noch eine Mastschweinehaltung und Ackerbau. "Heimischer Spargel ist beliebt", betont auch Helmut Pöllath, eine früherer Weidner Feinkosthändler, der über viele Jahre das Delikatessengeschäft Sußbauer am Oberen Tor leitete und den damals noch nicht so bekannten Spargel aus allen Gebieten Deutschlands anbot.

Das größte bayerische Anbaugebiet ist zwar immer noch die Region um Schrobenhausen mit Pfaffenhofen, Ingolstadt und Neunburg an der Donau. Dann kommt schon das unterfränkische Maingebiet um Volkach, Kitzingen und Münsterschwarzach sowie die Gegenden um Abendsberg in Niederbayern und Mittelfranken mit den Regionen Nürnberg, Fürth und Erlangen. Jahrelang musste sich bei diesem Vergleich die Oberpfalz verstecken. Jetzt kann sie einigermaßen mithalten.

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Der 'weiße König' streckt bereits den Kopf durch die Erddecke. (Bild: Götz)
Das Problem in der Oberpfalz ist das raue Klima, der oft fehlende gute Boden. "Wir haben das mit dem Abdecken durch Folien gelöst", erklärt Helga Brunner. Dadurch würde der Nachteil mit dem Klima ausgeglichen, zwar nicht hundertprozentig, aber so, dass auf jeden Fall guter Spargel heranwachsen kann. Bei Neubau wächst auch der angeblich besser schmeckende grüne Spargel.

Wie Helga Brunner erklärt, hat weißer Spargel mit dunkel-violetten Köpfen nur kurze Zeit die Sonne gesehen. Sei das ganze Gemüse grünlich-violett, ist es über Tage gewachsen. Mit dem Licht tanke der Spargel auch Aroma. Grünvioletter Stangenspargel schmecke, so die Fachleute, deshalb kräftiger als rein weißer. Weitere Spargelhöfe in der Oberpfalz, so Helga und Reinhard Brunner, gäbe es in Schwandorf-Dachelhofen bei der Familie Scharl, in Holzhammer beim Grafen von Strachwitz und in Oberhof.

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Gute Beute. (Bild: Götz)

Je frischer der Spargel auf den Tisch kommt, desto besser schmeckt er. Mit ein paar einfachen Tipps kann die Frische leicht getestet werden. "Wenn man den Daumennagel an der Schnittstelle andrückt, muss der Spargel dort schön saftig sein." Die Frische lässt sich laut Helga Brunner aber auch bestimmen, wenn man mehrere Spargelstangen aneinander reibt.

"Wenn die Sprossen gerade erst geerntet wurden, müssen sie ein bisserl quietschen!" Verfärbungen aber spielen bei der Frische keine Rolle. Hierbei handelt es sich um den sogenannten Spargelrost, ein natürlicher Pilzbefall. Dieser ist nur ein Hinweis, dass das Gemüse nicht unerlaubt gewässert wurde.

Es ist kurz nach acht Uhr. Auf den Feldern bei Weiden machen die Spargelstecher Pause von der mühseligen Arbeit, erholen sich einige Stunden, bis es am Nachmittag wieder los geht: Tief bücken, mit Zeige- und Mittelfinger die Erde durchwühlen, mit der einen Hand eine Höhle ausgraben und rasch stechen. Bis zum 24. Juni - Stange für Stange für ein echter oberpfälzischer Genuss.

Klaus Federl, OWZ
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