Startseite arrow Im Spiegel der Presse arrow "Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt vom 09.04.2010"
"Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt vom 09.04.2010"

Produkte repräsentieren die Region

Direktvermarktertag Oberpfalz beschäftigt sich mit Marketing

Weiden-Neubau – Regionalmarketing und Vernetzung standen im Mittelpunkt des diesjährigen Oberpfälzer Direktvermarktertages. Der vom  Beraternetzwerk Direktvermarkter Oberpfalz organisierte Tag stand unter dem Motto „Spezialitäten aus der Oberpfalz. Direktvermarkter repräsentieren mit ihren Produkten unsere Region“. Gut 80 Direktvermarkter und viele Vertreterinnen und Vertreter der Ämter waren dazu auf den Spargelhof von Helga und Reinhard Brunner nach Neubau bei Weiden gekommen. In ihrem schmuck restaurierten Gewölbe berichteten sie als Erste von der Entwicklung ihres Betriebs. Die Brunners haben seit 20 Jahren Erfahrung mit dem Spargelanbau. Sie bauen weißen und grünen an, mittlerweile auf einer Fläche von drei Hektar. Außer Spargel vermarkten die Brunners Erdbeeren, Rhabarber, Himbeeren, Kartoffeln, Eier und Honig – in ihrem vor drei Jahren umgebauten alten Gewölbe, das man auch für Veranstaltungen mieten kann. Seit Januar 2010 ist der Spargelhof Brunner ein Naturland-Betrieb. Eine Erkenntnis aus der Direktvermarktung sei die Tatsache, dass „die Leute wissen wollen, wo die Sachen herkommen“.

Mit der Erweiterung des Sortiments habe man versucht, sich breiter aufzustellen, sagte Reinhard Brunner. Doch sei es wichtig, ergänzte Helga Brunner, sich nicht zu verzetteln. Mit ihren Überlegungen sind die Brunners noch lange nicht am Ende. Momentan denken sie darüber nach, ob sie den Hofladen ausbauen. Durch den Bioanbau sei für viele Kunden nochmal ein Anreiz entstanden.

Ursula Eckl vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Amberg stellte fest, dass diese Geschichte beispielhaft sei. „Als Direktvermarkter müssen sie immer wieder überdenken, stimmen die Ideen, das Betriebskonzept? Ist das Ganze wirtschaftlich, ist die Familie zufrieden? Oder muss etwas geändert, erweitert werden?“

Wie regionale Besonderheit und Spezialitäten bekannt gemacht werden, darüber berichtete Anja Wirth,  Geschäftsführerin von Regionalmarketing Oberpfalz e. V. 2002 sei der Verein auf Initiative der Regierung der Oberpfalz gegründet worden. Mittlerweile zähle er 230 Mitglieder, meist Betriebe aller Größen und Branchen. Ziel sei es, die Region nach innen und außen zu stärken. Thematisch beschäftige man sich mit Energie, Ost-West, mit regionalen Produkten und dem Fachkräftemangel in der Oberpfalz, dem man ab Mai mit einer Online-Jobbörse begegne. Man unterstütze Produzenten regionaler Erzeugnisse in ihrem Austausch und die Treffen regionaler Initiativen.

Eine Auswahl regionaler Besonderheiten und Spezialitäten werde auf der kostenlosen Genießerkarte vorgestellt. Diese Faltkarte, die in deutscher und englischer Sprache erschienen ist, liegt unter anderem in Tourismusbüros auf und wird auch in Grafenwöhr an dort stationierte Amerikaner verteilt.
 
Der Oberpfälzer Geschenkeflyer mache Unternehmen darauf aufmerksam, dass sie Kundengeschenke – von Lebkuchen bis hin zum Schnaps – auch in der Oberpfalz bestellen könnten. Mit Hilfe des beigelegten Postkartenbuches würden die Unternehmen mit Rabatt direkt beim Anbieter ordern. Es gebe ein Monopoly Oberpfalz und einen Oberpfalz-Kalender, der Fotos aus einem Wettbewerb veröffentlicht. Als nächstes wolle man sich darum kümmern, schon vorhandene Aufstellungen regionaler Anbieter zu bündeln. Auf die Frage, was Direktvermarkter tun könnten, antwortete Anja Wirth: „Nie nachlassen, Ihre Themen in die Öffentlichkeit zu bringen. Drucken Sie Infoblätter Ihrer Angebote vor Ort und verteilen Sie sie.“

Die Regionaltheke im Landkreis Regensburg stellte deren Geschäftsführer Gerhard Gruber vor. „Nimm‘s regional“ steht auf der grünen Marke mit dem weißen „R“ für „Regensburger Land“. Dieses Zeichen ziert jeden der 170 Artikel von 30 Herstellern, der in den bis zu 110 Regionaltheken im Landkreis angeboten wird. Diese Produkte müssen mindestens drei Monate haltbar sein, in der Region verarbeitet worden sein oder der Rohstoff müsse aus der Region stammen.

Ohne einen Cent öffentlicher Förderung seien bis jetzt zwei Millionen Euro Wertschöpfung erreicht, zehn Arbeitsplätze geschaffen worden. Einige Erzeuger hätten den Absatz ihrer Produkte so erheblich gesteigert. Dass mit der gleichen Zahl an Theken immer mehr umgesetzt werde, belege, dass diese immer besser angenommen würden. Was es den Erzeuger kostet, dass die Regionaltheke Logistik und Vermarktung übernimmt, wollte Gruber nicht verraten. „Da muss man reden; was stellen sich die Erzeuger vor? Was ist der Endverbraucher bereit, dafür auszugeben? Und dann schaut man, ob man zusammenkommt.“

Das Regensburger Erfolgsmodell konnte manchen Bauern und Direktvermarkter nicht überzeugen. Unter anderem wurde kritisiert, dass beispielsweise Wurst im Glas einer Regensburger Metzgerei nichts darüber aussage, ob die Schlachttiere aus der Region stammten. Applaus gab es für den Einwand, dass die Regionaltheken eine Konkurrenz für den Vermarkter mit Hofladen seien.

„Die Idee zu „Einkaufen auf dem Bauernhof“ sollten wir uns nicht wegnehmen lassen“, sagte ein Landwirt. Gruber antwortete: „Das wollen wir auch gar nicht.“ Doch gebe es keine Möglichkeit, ohne Konkurrenz zu vermarkten. Regionale Wertschöpfung beziehe sich nicht nur auf die Landwirtschaft. Eine Direktvermarkterin lenkte ein: „Ich finde es positiv, wenn sich jemand um die Vermarktung bäuerlicher Produkte annimmt.“

Ihr eigenes pififges Vermarktungskonzept stellte Renate Lang von der Hofkäserei Lang in Oed bei Kirchendemenreuth vor. Sie ist vernetzt mit der Metzgerei ihres Bruders Hans Wittmann (Betriebe und Konzept wird das Wochenblatt demnächst ausführlich vorstellen). Ihre Erzeugnisse gibt es unter anderem als „Naturpark NOW“-Produkte, die Naturpark-Geschäftsführer Martin Koppmann erklärte.

Neuigkeiten aus dem Veterinärbereich und die Zeichennutzerversammlung der Werbegemeinschaft „Einkaufen auf dem Bauernhof“ rundeten das Programm ab. Erna Fellner vom AELF Weiden und Ursula Eckl vom AELF Amberg hatten den Direktvermarktertag vorbereitet. Für die ausgezeichnete Verpflegung sorgte Helga Brunner mit ihrem Team.  


Christine Schmid

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